Inhalt
Ratgeber · E-Rechnung
XRechnung vs. ZUGFeRD vs. Peppol – der vollständige Format-Vergleich
Lesezeit ca. 11 Min. · Aktualisiert Juni 2026 · von Martin Hofmann
Kurz erklärt
Die gemeinsame Basis – EN 16931
Bevor wir die drei Formate trennen: Alle basieren auf derselben EU-Norm EN 16931 („Semantisches Datenmodell der Kernelemente einer elektronischen Rechnung"). Diese Norm definiert dreierlei:
- Welche Inhalte eine E-Rechnung enthalten muss (Datum, Beträge, Steuersätze, Käufer und Verkäufer).
- Welche Bedeutung die Felder haben – etwa, dass „Lieferdatum" eindeutig definiert ist.
- Welche Validierungs-Regeln technisch gelten.
XRechnung, ZUGFeRD und Peppol BIS sind konkrete technische Implementierungen dieser Norm. Sie unterscheiden sich in Syntax, Übertragung und Anwendung – der semantische Inhalt ist gleich. Was eine E-Rechnung grundsätzlich ist, erklärt der Beitrag Was ist eine E-Rechnung.
XRechnung – der Behörden-Standard
XRechnung ist ein reines XML-Format, definiert und gepflegt von KoSIT (Koordinierungsstelle für IT-Standards) im Auftrag des IT-Planungsrats von Bund und Ländern. Aktuelle Version: XRechnung 3.0.x (Stand 2025/2026), mit Updates typischerweise einmal pro Jahr.
XRechnung baut auf zwei alternative Syntax-Varianten: UBL (Universal Business Language, OASIS) und CII (Cross-Industry Invoice, UN/CEFACT). Beide sind XML – die UBL-Variante ist im DACH-Raum häufiger.
Wofür XRechnung gedacht ist: B2G-Pflicht seit 27.11.2020 für Bundesbehörden-Rechnungen, gestaffelte B2G-Pflicht der Länder und Kommunen 2024–2026, im B2B zulässig und zunehmend verbreitet.
| Stärken | Schwächen |
|---|---|
| Behörden-tauglich seit Jahren | Reines XML – ohne Software-Hilfe nicht lesbar |
| Klare Spezifikation, gut dokumentiert (KoSIT) | DACH-Fokus – international weniger verbreitet |
| Validierung mit kostenfreien Tools möglich | Versions-Sprünge erfordern Software-Updates |
ZUGFeRD – der B2B-Hybrid
ZUGFeRD ist ein Hybrid-Format: ein PDF/A-3 mit eingebetteter XML-Datei, gepflegt vom Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD). Aktuelle Version: ZUGFeRD 2.3, kompatibel mit dem französischen Factur-X (im Kern identisch).
Das PDF/A-3 ist die für Menschen lesbare Schicht – ein normales PDF, in jedem Viewer zu öffnen. Eingebettet liegt eine XML-Datei mit den strukturierten Rechnungs-Daten nach EN 16931. Optisch ein gewohntes PDF, technisch eine vollwertige E-Rechnung.
Definition
ZUGFeRD-Profile
| Stärken | Schwächen |
|---|---|
| Optisch lesbar – Empfänger sieht ein PDF wie gewohnt | Datei-Größe etwas höher (PDF + XML) |
| Übergangs-freundlich: alte Workflows funktionieren weiter | Profile-Komplexität (welches Profil reicht?) |
| International kompatibel mit Factur-X (Frankreich) | Versand per Mail – kein eigenes Netzwerk |
| Sehr verbreitet im deutschen B2B-Mittelstand | Im B2G nicht überall akzeptiert (oft XRechnung-Pflicht) |
Peppol BIS 3.0 – der EU-Standard
Hier wird es interessant, denn Peppol ist zwei Dinge gleichzeitig:
- Peppol BIS 3.0 = ein XML-Format nach EN 16931 (technisch UBL-nah).
- Peppol-Netzwerk = ein europäisches Versand-Netzwerk mit Access Points.
Vergleichbar mit SEPA für Geld-Überweisungen: Ohne SEPA-Netzwerk geht eine Überweisung zwar auch, aber mit SEPA ist sie standardisiert und kostengünstig. Beim Peppol-Versand senden Sie die Rechnung an Ihren Access Point, der sie über das Netzwerk an den Access Point des Empfängers leitet (Vier-Corner-Modell). Die Identifikation läuft über eine Peppol Participant ID, vergleichbar mit der IBAN.
Wofür Peppol gedacht ist: EU-grenzüberschreitende B2B-Rechnungen. In Belgien, Schweden und den Niederlanden bereits weit verbreitet, in Deutschland im Aufbau – vor allem für Behörden-Rechnungen und größere B2B-Player relevant.
| Stärken | Schwächen |
|---|---|
| Sicherer, standardisierter Versand | Setup-Aufwand (Access Point + Participant ID) |
| Internationaler Standard – EU-weit nutzbar | In DACH noch weniger verbreitet als ZUGFeRD |
| Keine fehleranfälligen E-Mail-Anhänge | Kleinere KMU profitieren erst bei EU-Geschäft |
| Audit-Trail bei der Übertragung | Access-Point-Kosten (typisch 30–100 €/Monat) |
Direkter Vergleich
Die wichtigsten Kriterien der drei Formate nebeneinander:
| Kriterium | XRechnung | ZUGFeRD | Peppol BIS 3.0 |
|---|---|---|---|
| Format-Art | reines XML | PDF + eingebettete XML | XML + Netzwerk |
| Standard-Träger | KoSIT | FeRD | OpenPeppol Association |
| EN-16931-konform | ja | ja (Profil EN 16931+) | ja |
| Optisch lesbar | nein | ja | nein |
| Hauptanwendung | B2G (Behörden) | B2B Deutschland | B2B EU |
| Versand | E-Mail, Portal, Peppol | E-Mail, Portal | Peppol-Netzwerk |
| Internationalität | DACH-Fokus | Frankreich (Factur-X) | EU-weit |
| Setup-Aufwand | gering | gering | mittel–hoch |
| Kosten | minimal | minimal | Access Point ~30–100 €/Monat |
Welches Format für wen – Entscheidungs-Matrix
Sie liefern an Behörden / öffentliche Auftraggeber? → XRechnung-Pflicht (B2G). Versand über die OZG-Portale (ZRE, BSV) oder per Peppol.
Sie sind klassischer Mittelständler, B2B im DACH-Raum? → ZUGFeRD oder XRechnung. Vorteil ZUGFeRD: Empfänger sieht ein PDF wie gewohnt. Vorteil XRechnung: einheitliches Format für B2G und B2B.
Sie liefern EU-weit? → Peppol BIS 3.0. Belgien, Schweden und die Niederlande haben Peppol stark im Einsatz, weitere EU-Länder folgen.
Sie wollen technisch zukunftssicher sein? → Peppol plus XRechnung-Profil ist die internationalste Kombination. ZUGFeRD bleibt im DACH-Raum komfortabel.
Sie sind Kleinunternehmer, Freiberufler oder Verein? → ZUGFeRD ist meist die einfachste Wahl. Was sonst noch gilt, lesen Sie im Ratgeber E-Rechnung für Kleinunternehmer.
Was beim Empfang passiert
Wichtig zu verstehen: Als Empfänger müssen Sie alle drei Formate verarbeiten können – unabhängig davon, welches Sie selbst verschicken. Die meisten Buchhaltungs- und ERP-Systeme erfüllen das automatisch. Ihre Software sollte können:
- XRechnung lesen (UBL und CII)
- ZUGFeRD lesen (XML aus dem PDF extrahieren)
- Peppol-Rechnungen empfangen (falls Peppol-Anbindung)
- eingehende Dateien validieren (KoSIT-Validator oder vergleichbar)
- als lesbares Format anzeigen (XSLT-Transformation oder XML-Viewer)
Die Stichtage der Empfangs- und Versand-Pflicht fasst der Ratgeber E-Rechnung-Pflicht 2025/2026 zusammen.
- EN 16931
- gemeinsame EU-Norm aller drei Formate
- 3 Formate
- XRechnung, ZUGFeRD, Peppol BIS 3.0
- ~30
- Pflicht-Felder einer EN-16931-Rechnung
- 30–100 €
- monatliche Access-Point-Kosten bei Peppol
Quelle: KoSIT, FeRD, OpenPeppol (Stand 06/2026)
Kostenloses Tool
Drei Fragen genügen: Der E-Rechnung-Pflicht-Check zeigt sofort, welche Pflichten ab wann für Sie gelten – ohne Anmeldung.
So gehen wir das an
Welches Format zu Ihnen passt, hängt an Ihrer Kundenstruktur, Ihrer Buchhaltung und Ihrem EU-Anteil – nicht an Marketing-Versprechen einzelner Anbieter. Wir klären das herstellerunabhängig und richten den passenden Versand- und Empfangs-Weg ein. Umsetzen lassen? Unsere Leistungsseite Format-Beratung XRechnung, ZUGFeRD & Peppol zeigt den Ablauf.