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Ratgeber · E-Rechnung

XRechnung vs. ZUGFeRD vs. Peppol – der vollständige Format-Vergleich

Lesezeit ca. 11 Min. · Aktualisiert Juni 2026 · von Martin Hofmann

Kurz erklärt

Alle drei Formate erfüllen die EU-Norm EN 16931 und sind in Deutschland als E-Rechnung anerkannt. Die Unterschiede liegen im Aufbau und in der typischen Anwendung: XRechnung ist reines XML und seit 2020 Behörden-Standard (B2G). ZUGFeRD ist ein Hybrid aus PDF und eingebetteter XML, für Menschen lesbar, verbreitet im B2B-Mittelstand. Peppol BIS Billing 3.0 ist ein XML-Format plus europäisches Versand-Netzwerk – vergleichbar mit „SEPA für Rechnungen" – für EU-grenzüberschreitende B2B-Rechnungen. Faustregel: B2G → XRechnung; B2B im DACH-Raum → ZUGFeRD oder XRechnung; B2B europaweit → Peppol.
Team bespricht Optionen am Besprechungstisch – Formatentscheidung für die E-Rechnung

Die gemeinsame Basis – EN 16931

Bevor wir die drei Formate trennen: Alle basieren auf derselben EU-Norm EN 16931 („Semantisches Datenmodell der Kernelemente einer elektronischen Rechnung"). Diese Norm definiert dreierlei:

  • Welche Inhalte eine E-Rechnung enthalten muss (Datum, Beträge, Steuersätze, Käufer und Verkäufer).
  • Welche Bedeutung die Felder haben – etwa, dass „Lieferdatum" eindeutig definiert ist.
  • Welche Validierungs-Regeln technisch gelten.

XRechnung, ZUGFeRD und Peppol BIS sind konkrete technische Implementierungen dieser Norm. Sie unterscheiden sich in Syntax, Übertragung und Anwendung – der semantische Inhalt ist gleich. Was eine E-Rechnung grundsätzlich ist, erklärt der Beitrag Was ist eine E-Rechnung.

XRechnung – der Behörden-Standard

XRechnung ist ein reines XML-Format, definiert und gepflegt von KoSIT (Koordinierungsstelle für IT-Standards) im Auftrag des IT-Planungsrats von Bund und Ländern. Aktuelle Version: XRechnung 3.0.x (Stand 2025/2026), mit Updates typischerweise einmal pro Jahr.

XRechnung baut auf zwei alternative Syntax-Varianten: UBL (Universal Business Language, OASIS) und CII (Cross-Industry Invoice, UN/CEFACT). Beide sind XML – die UBL-Variante ist im DACH-Raum häufiger.

Wofür XRechnung gedacht ist: B2G-Pflicht seit 27.11.2020 für Bundesbehörden-Rechnungen, gestaffelte B2G-Pflicht der Länder und Kommunen 2024–2026, im B2B zulässig und zunehmend verbreitet.

StärkenSchwächen
Behörden-tauglich seit JahrenReines XML – ohne Software-Hilfe nicht lesbar
Klare Spezifikation, gut dokumentiert (KoSIT)DACH-Fokus – international weniger verbreitet
Validierung mit kostenfreien Tools möglichVersions-Sprünge erfordern Software-Updates

ZUGFeRD – der B2B-Hybrid

ZUGFeRD ist ein Hybrid-Format: ein PDF/A-3 mit eingebetteter XML-Datei, gepflegt vom Forum elektronische Rechnung Deutschland (FeRD). Aktuelle Version: ZUGFeRD 2.3, kompatibel mit dem französischen Factur-X (im Kern identisch).

Das PDF/A-3 ist die für Menschen lesbare Schicht – ein normales PDF, in jedem Viewer zu öffnen. Eingebettet liegt eine XML-Datei mit den strukturierten Rechnungs-Daten nach EN 16931. Optisch ein gewohntes PDF, technisch eine vollwertige E-Rechnung.

Definition

ZUGFeRD-Profile

ZUGFeRD bietet fünf Profile in aufsteigender Vollständigkeit: MINIMUM (nur Basis-Daten), BASIC WL (ohne Positions-Details), BASIC (Pflicht-Felder + Positionen), EN 16931 (früher COMFORT, volle Konformität – der B2B-Standard) und EXTENDED (zusätzliche Felder für komplexe Use Cases). Für die deutsche E-Rechnungs-Pflicht ist mindestens das Profil EN 16931 zu verwenden.
StärkenSchwächen
Optisch lesbar – Empfänger sieht ein PDF wie gewohntDatei-Größe etwas höher (PDF + XML)
Übergangs-freundlich: alte Workflows funktionieren weiterProfile-Komplexität (welches Profil reicht?)
International kompatibel mit Factur-X (Frankreich)Versand per Mail – kein eigenes Netzwerk
Sehr verbreitet im deutschen B2B-MittelstandIm B2G nicht überall akzeptiert (oft XRechnung-Pflicht)

Peppol BIS 3.0 – der EU-Standard

Hier wird es interessant, denn Peppol ist zwei Dinge gleichzeitig:

  • Peppol BIS 3.0 = ein XML-Format nach EN 16931 (technisch UBL-nah).
  • Peppol-Netzwerk = ein europäisches Versand-Netzwerk mit Access Points.

Vergleichbar mit SEPA für Geld-Überweisungen: Ohne SEPA-Netzwerk geht eine Überweisung zwar auch, aber mit SEPA ist sie standardisiert und kostengünstig. Beim Peppol-Versand senden Sie die Rechnung an Ihren Access Point, der sie über das Netzwerk an den Access Point des Empfängers leitet (Vier-Corner-Modell). Die Identifikation läuft über eine Peppol Participant ID, vergleichbar mit der IBAN.

Wofür Peppol gedacht ist: EU-grenzüberschreitende B2B-Rechnungen. In Belgien, Schweden und den Niederlanden bereits weit verbreitet, in Deutschland im Aufbau – vor allem für Behörden-Rechnungen und größere B2B-Player relevant.

StärkenSchwächen
Sicherer, standardisierter VersandSetup-Aufwand (Access Point + Participant ID)
Internationaler Standard – EU-weit nutzbarIn DACH noch weniger verbreitet als ZUGFeRD
Keine fehleranfälligen E-Mail-AnhängeKleinere KMU profitieren erst bei EU-Geschäft
Audit-Trail bei der ÜbertragungAccess-Point-Kosten (typisch 30–100 €/Monat)

Direkter Vergleich

Die wichtigsten Kriterien der drei Formate nebeneinander:

KriteriumXRechnungZUGFeRDPeppol BIS 3.0
Format-Artreines XMLPDF + eingebettete XMLXML + Netzwerk
Standard-TrägerKoSITFeRDOpenPeppol Association
EN-16931-konformjaja (Profil EN 16931+)ja
Optisch lesbarneinjanein
HauptanwendungB2G (Behörden)B2B DeutschlandB2B EU
VersandE-Mail, Portal, PeppolE-Mail, PortalPeppol-Netzwerk
InternationalitätDACH-FokusFrankreich (Factur-X)EU-weit
Setup-Aufwandgeringgeringmittel–hoch
KostenminimalminimalAccess Point ~30–100 €/Monat

Welches Format für wen – Entscheidungs-Matrix

Sie liefern an Behörden / öffentliche Auftraggeber? → XRechnung-Pflicht (B2G). Versand über die OZG-Portale (ZRE, BSV) oder per Peppol.

Sie sind klassischer Mittelständler, B2B im DACH-Raum? → ZUGFeRD oder XRechnung. Vorteil ZUGFeRD: Empfänger sieht ein PDF wie gewohnt. Vorteil XRechnung: einheitliches Format für B2G und B2B.

Sie liefern EU-weit? → Peppol BIS 3.0. Belgien, Schweden und die Niederlande haben Peppol stark im Einsatz, weitere EU-Länder folgen.

Sie wollen technisch zukunftssicher sein? → Peppol plus XRechnung-Profil ist die internationalste Kombination. ZUGFeRD bleibt im DACH-Raum komfortabel.

Sie sind Kleinunternehmer, Freiberufler oder Verein? → ZUGFeRD ist meist die einfachste Wahl. Was sonst noch gilt, lesen Sie im Ratgeber E-Rechnung für Kleinunternehmer.

Was beim Empfang passiert

Wichtig zu verstehen: Als Empfänger müssen Sie alle drei Formate verarbeiten können – unabhängig davon, welches Sie selbst verschicken. Die meisten Buchhaltungs- und ERP-Systeme erfüllen das automatisch. Ihre Software sollte können:

  • XRechnung lesen (UBL und CII)
  • ZUGFeRD lesen (XML aus dem PDF extrahieren)
  • Peppol-Rechnungen empfangen (falls Peppol-Anbindung)
  • eingehende Dateien validieren (KoSIT-Validator oder vergleichbar)
  • als lesbares Format anzeigen (XSLT-Transformation oder XML-Viewer)

Die Stichtage der Empfangs- und Versand-Pflicht fasst der Ratgeber E-Rechnung-Pflicht 2025/2026 zusammen.

EN 16931
gemeinsame EU-Norm aller drei Formate
3 Formate
XRechnung, ZUGFeRD, Peppol BIS 3.0
~30
Pflicht-Felder einer EN-16931-Rechnung
30–100 €
monatliche Access-Point-Kosten bei Peppol

Quelle: KoSIT, FeRD, OpenPeppol (Stand 06/2026)

Kostenloses Tool

Drei Fragen genügen: Der E-Rechnung-Pflicht-Check zeigt sofort, welche Pflichten ab wann für Sie gelten – ohne Anmeldung.

So gehen wir das an

Welches Format zu Ihnen passt, hängt an Ihrer Kundenstruktur, Ihrer Buchhaltung und Ihrem EU-Anteil – nicht an Marketing-Versprechen einzelner Anbieter. Wir klären das herstellerunabhängig und richten den passenden Versand- und Empfangs-Weg ein. Umsetzen lassen? Unsere Leistungsseite Format-Beratung XRechnung, ZUGFeRD & Peppol zeigt den Ablauf.

FAQ

Häufige Fragen

Welches Format empfiehlt z1Digital für Mittelständler?
Für die meisten Mittelständler ohne EU-Geschäft: ZUGFeRD im Profil EN 16931. Lesbar, kompatibel mit allen großen Tools, gute Übergangs-Lösung. Mit Behörden-Anteil zusätzlich XRechnung, für EU-Geschäft Peppol in Vorbereitung.
Kann ich beides ausstellen – XRechnung und ZUGFeRD?
Ja. Viele Buchhaltungs-Systeme lassen Sie pro Kunde wählen, in welchem Format Sie versenden. Manche Kunden fordern ZUGFeRD, manche XRechnung. Die Wahl liegt bei Ihnen, solange EN-16931-Konformität gegeben ist.
Muss ich einen Peppol-Access-Point haben?
Nein, nicht zwingend. In Deutschland ist Peppol eine Option, keine Pflicht. Pflicht ist es nur in einigen EU-Ländern für bestimmte Konstellationen. Wir prüfen im Erstgespräch, ob sich der Setup-Aufwand für Sie rechnet.
Was ist Factur-X?
Factur-X ist die französische Variante von ZUGFeRD und technisch im Kern identisch. Wenn Sie Geschäft mit Frankreich haben, ist ZUGFeRD = Factur-X eine elegante Doppel-Nutzung.
Was ist mit UBL und CII?
UBL (Universal Business Language, OASIS) und CII (Cross Industry Invoice, UN/CEFACT) sind zwei XML-Syntaxen, in denen die EN-16931-Daten ausgedrückt werden. XRechnung akzeptiert beide; die meisten deutschen Tools nutzen UBL. Es ist also keine dritte Format-Familie, sondern die technische Basis-Sprache.
Wie funktioniert die Validierung?
Für XRechnung gibt es den kostenfreien KoSIT-Validator online. ZUGFeRD lässt sich über Validierungs-Module in den Buchhaltungs-Systemen prüfen. Bei Peppol validieren die Access-Point-Anbieter automatisch.
Welche Pflicht-Felder hat eine EN-16931-Rechnung?
Rund 30 Pflicht-Felder, darunter Rechnungs-Datum, Rechnungs-Nummer, Käufer, Verkäufer, Liefer-Datum, einzelne Positionen mit Mengen und Preisen, Steuer-Beträge, Zahlungs-Bedingungen und Bank-Verbindung. Die vollständige Liste ist Teil der EN-16931-Spezifikation.
Welches Format sollten Kleinunternehmer wählen?
Meist ZUGFeRD – lesbar für Mensch und Maschine, gute Tool-Unterstützung. Details zu den Pflichten und Sonderfällen im Ratgeber E-Rechnung für Kleinunternehmer.

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Welches E-Rechnungs-Format passt zu Ihrem Setup?

Im kostenlosen 30-Minuten-Erstgespräch klären wir herstellerunabhängig, welches Format zu Ihrer Buchhaltung und Ihren Kunden passt. Unverbindlich, ohne Verkaufsdruck.

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